LESUNG im Bistro Marie im Bundestag

Der Ted

Es beginnt mit einem winzigen Einbiss im Mundboden. Nicht der Rede wert. Dann wächst dort eine Kichererbse. Am falschen Ort, mit falscher Farbe, zur falschen Zeit. Die Erzählerin sucht im Internet nach einer Erklärung und stößt auf Knoten, Zysten, Raumforderungen, Dignitäten: Wölfe im Schafspelz. Sie tastet, googelt, beobachtet. Und gibt dem unheimlichen Gebilde einen Namen: Ted. Ted ist vielleicht harmlos, vielleicht nicht. Er schwillt an, entleert sich, verschwindet und kommt wieder. Er wird zum Kobold, zum Rumpelstilzchen, zum Killer. Die Erzählerin sticht ihn auf, bekämpft ihn mit Sprache und schwarzem Humor. Doch Ted lässt sich nicht so leicht in Schach halten.

„Der Ted“ ist eine groteske Geschichte über die Angst vor dem eigenen Körper und den Versuch, das Ungewisse durch Benennen beherrschbar zu machen. Eine Geschichte, in sich medizinische Fachsprache aneinander reiben und in der sich eine mögliche tödliche Bedrohung im Format einer Kichererbse versteckt.

Ich lese mein Prosastück „Der Ted“.

Berlin – St. Florent. Landschaften lesen mit Julien Gracq

Der Sendetermin steht fest: Samstag, der 12. Dezember 2026, 18:05, Deutschlandfunk Kultur. Regie führe ich selbst.

Mit Dominique Horwitz als Sprecher für Julien Gracq in Französisch und Deutsch.

Unter den großen Schriftstellern Frankreichs ist Julien Gracq derjenige, der wenig Aufsehen um seine Person machte. Umso beredter, ja schier unergründlich, sind die Landschaften, die er beschreibt.
Weg aus dem urbanen Lärm hin zu Gracqs Geburtsort in Westfrankreich, hinein in ein Boot auf einen Nebenarm der Loire, die Èvre, wie einst Gracq. Der Èvre hat Julien Gracq mit dem Prosatext „Les eaux étroites“ („Die engen Wasser“) ein Denkmal gesetzt. Selbstmörderfelsen, Cembalowiesen, Amazonien der Loire: der Abgleich der Wahrnehmungen Gracqs mit meiner eigenen wird zum Selbstversuch. Kann man sich in eine Landschaft hineinlesen? Kann Literatur Realität verändern? Die Antwort gibt die Rückkehr: Die Èvre fließt weiter, mitten in Berlin.

Die Èvre als Skulptur, zu finden mitten in St.-Florent-le-Vieil:

Die Èvre im August 2026.

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